Gerlach-Speicher

Gerlach-Speicher, Foto: Johann-Friedrich-Danneil-Museum
Gerlach-Speicher, Foto: Johann-Friedrich-Danneil-Museum

Das denkmalgeschützte Speichergebäude mit späthistorischer Backsteinfassade, vier Staffelgiebeln und Außenaufzug entstand Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen eines Hamburger Speicherhauses. Der Aufzug wurde einst manuell vom vierten Stockwerk aus bedient.

Im Jahr 1882 erwarb die offene Handelsgesellschaft Friedrich Ernst Gerlach und Carl Otto Krumbhaar das Grundstück und errichtete das Gebäude zur Vergrößerung ihrer Geschäftsräume. Die Firma Fr. Gerlach begründete sich bereits 1753 durch Einheirat. Der Name ist heute noch auf der Fassade über dem Eingang zu finden. Das Unternehmen war damals schon ein altes Geschäft und fand bereits 1679 Erwähnung.
Mitte des 19. Jahrhunderts belieferte es die gesamte Altmark, einen großen Teil des Wendlandes und die Prignitz mit einer Vielzahl verschiedenster Handelsgüter. Dazu zählten unter anderem Kolonial-, (Bau) Material-, Eisen-, Tabak-, Schnitt- und Kurzwaren. Im Jahr 1898 wurde in dem Speichergebäude zudem eine dampfmotorbetriebene Kaffeerösterei eingerichtet.

Das gut geführte Unternehmen expandierte kontinuierlich und benötigte immer wieder zusätzliche Räumlichkeiten. Benachbarte Gebäude wurden für den Zweck erworben. Außerdem entstand vor dem Lüchower Tor ein Lager für Waren, die über den Jeetze-Wasserweg aus Hamburg kamen. Ursprünglich hatte das Unternehmen mit einem firmeneigenen Hafenplatz an der Hofseite der Schornsteinfegerstraße nahe der Jeetzebrücke seine Unabhängigkeit vom städtischen Hafen sichergestellt. Doch im Laufe der Zeit erwies sich der Hafenplatz als unrentabel und verlor seine Bedeutung. Im Jahr 1901 legte hier der letzte Transportkahn der Firma an, der Farben geladen hatte.

Ab 1962 mit staatlicher Beteiligung geführt, erfolgte 1990 die Reprivatisierung des Unternehmens.

Schornsteinfegerstraße 8 & 10, Speicher, Baudenkmal, geschichtlich, kulturell-künstlerisch, technisch-wirtschaftlich, städtebaulich, 1882

Typischer Speicherbau des 19. Jh’s in Salzwedel, repräsentativer viergeschossiger Backstein-Fachwerkbau von 1882 im späthistoristischen Rundbogenstil von 6 Achsen Länge (1. OG) mit Attika und mittlerem Stufengiebelabschluss, zum Nicolaiplatz symmetrische pilaster- und
gurtgesimsgegliederte Schaufront in technisch anspruchsvollem Backsteinmauerwerk, die mittlere
Torfahrtachse mit darüber liegenden Ladeluken (3. u. 4. Obergeschoss), Aufzugsbalken (Dachgeschoss) und Stufengiebelbekrönung risalitartig hervorgehoben und die Fassade vertikal akzentuierend, horizontale Gliederung durch Sockel, Gurt- und Brüstungsgesimse sowie kräftiger Attika mit Kreuzbogenfries, bauzeitlicher Fensterbestand mit radgesprossten Oberlichtern ebenso erhalten wie die Kragbalkone mit Schmiedegittern vor den Ladeluken; der Komplex die gesamte Tiefe des Grundstücks bis an die Stammjeetze einnehmend, die siebenachsige Rückfront in Fachwerkbauweise mit Ziegelsichtausfachung und Kreuzstockfensterbestand, die Giebelwand mit Schindeln verkleidet; im Inneren zentrales Atrium mit Gussstützen und Eisengeländer zum Vertikaltransport des Lagergutes, die Lagerböden aus Holzbalkendecken gebildet und über eine eingestemmte Holztreppe zu erreichen; der Speicher wichtiger Sachzeuge der Handels- und Verkehrsgeschichte der Stadt Salzwedel (vgl. Speicher der Fa. Nelke am Lohteich) Fa. Gerlach bereits seit 1679 in Salzwedel ansässig, beinhaltet drei Abteilungen: 1. Eisen- und Eisenwaren, 2. die Kolonial- und Materialwaren, 3. die Manufakturwaren; traditionelles Familienunternehmen, über die Grenzen der Altmark hinaus bedeutsam

  • Arno Sommerfeld, Hansestadt Salzwedel – Ein Rundgang durch die Geschichte der Stadt (2000)
  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, 20.12.2007