Katharinenkirche

Katharinenkirche
Katharinenkirche, Foto: Johann-Friedrich-Danneil-Museum

Die Katharinenkirche wurde wahrscheinlich zur Gründungszeit der Neustadt im romanisch-gotischen Übergangsstil als dreischiffige Hallenkirche erbaut. Sie beeindruckt mit einem imposanten 76 Meter hohen Turm und ist die Hauptkirche der ehemaligen Neustadt Salzwedel.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1280. Nach 1300 erfolgte ein Umbau in eine frühgotische Hallenkirche. Im Laufe der Zeit wurde sie mehrmals umgebaut und erweitert. Vom 14. bis 15. Jahrhundert kamen unter anderem Seitenkapellen und ein hochgotischer Polygonalchor hinzu.

Viele Kunstschätze der Kirche sind verloren gegangen. Die erhaltenen Werke beeindrucken mit hoher handwerklicher und künstlerischer Qualität. Dazu zählen die Bronzefünte (Taufbecken) von 1421 und das Taufgitter von 1567 in feiner Renaissancearbeit. Beeindruckend sind außerdem drei erhaltene Glasfenster im Chor aus dem 15. Jahrhundert. Barocke Grabdenkmäler der Neustädter Patrizierfamilien vervollständigen die historischen Werke der Katharinenkirche. Ein Höhepunkt ist der Einhornaltar, der zuvor bis 1981 in der Klosterkirche Dambeck aufgestellt war. Er beeindruckt durch seine bemerkenswerte Schnitzarbeit mit einem seltenen Motiv der Einhornjagd, gestiftet im Jahr 1474 von Probst Johan Verdeman. Zur Ausstattung zählt weiterhin die Schukeorgel von 1978.

Während der Zeit der Wende war die Katharinenkirche Ausgangspunkt zahlreicher Proteste.

An der Katharinenkirche, Kirche, St. Katharina, Baudenkmal, geschichtlich, kulturell-künstlerisch, städtebaulich, kultisch; 13.-15. Jh.

Ev. Pfarrkirche St. Katharinen, Pfarrkirche der vor 1147 gegründeten Neustadt, 1280 erstmals urkundlich erwähnt; dreischiffige Backsteinbasilika mit Westturm in Schiffsbreite sowie langgestrecktem eingezogenem Chor, an dessen Südseite die Sakristei; der massig erscheinende Backsteinbau in mehreren Bauphasen vom 13.-15. Jahrhundert ausgeführt, dabei mehrfach Planwechsel; die komplizierte Baugeschichte an der Bausubstanz ablesbar, v.a. an der südlichen Seitenschiffswand; der Bau mit dem gedrungen wirkenden, kaum die Firstlinie des Hauptdaches überragenden Turmes mit seinem achtseitigen Helm eine städtebauliche Dominante darstellend, wichtiger Bestandteil der historischen Stadtsilhouette; der Außenbau v.a. durch die Giebel der Querdächer der Seitenschiffe mit ihren Blendgiebeln und hell abgesetzten Putzfeldern sowie den Westbau geprägt; der architektonische und städtebauliche Anspruch des Kirchengebäudes die Konkurrenz zur Pfarrkirche der Altstadt, St. Marien, verdeutlichend; der Platz An der Katharinenkirche mit den umgebenden Wohn- und Schulbauten (>Neustädter Lateinschule) zu den schönsten Plätzen im Stadtgebiet zählend; die Kirche ein Hauptdokument des mittelalterlichen Sakralbaus von überörtlicher Bedeutung, Sachzeuge des gotischen Backsteinbaus in der Altmark mit überregionalen Bezügen; 1844-49 purifizierende Restaurierung; umfassende Restaurierung von 1959-97 einschl. baugeschichtlicher Untersuchung, seit 1975 Maßnahmen zur Wiederherstellung/Rekonstruktion des spätmittelalterlichen Raumbildes, 1990ff Turmhelminstandsetzung, 2000ff. Dachinstandsetzung Bauphasen:1. ab 1247: Errichtung einer flachgedeckten Basilika mit Westturm in Schiffsbreite sowie langgestrecktem, eingezogenem Chor, Sakristeianbau an der Südseite Chor;2. gewölbte dreischiffige Halle3. nach Planwechsel im 14. Jh. Erweiterung des Rechteckchores um dreijochige Chorseitenschiffe; deren querhausartig erscheinende Stirnseiten höher als die Giebel der Seitenschiffe, Portal im westl. Abschnitt des Süd-Seitenschiffes4. im 4. Viertel 14. Jh.: Anbau Langchor und Sakristei (Walmdach)5. erneuter Planwechsel im 1. Viertel 15. Jh.: Aufgabe des Hallenplans, nur die MIttelschiffsjoche des Langhauses noch mit denen des alten Chores auf gleiche Höhe gebracht, d.h. Rückkehr zum basilikalen Querschnitt unter Erhalt der alten Seitenschiffshöhe; Entstehung des Pseudo-Querhauses über dem alten Chor; Maßnahme 1421 beendet;6. Errichtung der 2-geschossigen Westhalle mit Walmdach, wohl als Kapelle der 1460 gegr. Fronleichnamsbrüderschaft, Ausbildung der Fassade als eigener Baukörper Westportal, bauzeitliche Schmiedezuganker in Kämpferhöhe zur Ableitung des Gewölbeschubes eingebaut

  • Josef Beranek, Salzwedel – Ein Wegweiser durch die 750 jährige Stadt (1966)
  • Arno Sommerfeld, Hansestadt Salzwedel – Ein Rundgang durch die Geschichte der Stadt (2000)
  • Hansestadt Salzwedel
  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, 20.12.2007